Es ist mitten in der Nacht. Ein 17 Monate altes Kind wird wach. Nicht ungewöhnlich. Nähe wird gesucht, Sicherheit, ein Ritual, das immer gleich war. Doch diesmal ist etwas anders. Der Griff zur Mutter endet nicht wie gewohnt. Keine Muttermilch. Kein vertrautes Muster. Keine Erklärung.
Was folgt, ist Unruhe. Ärger. Lautstarker Protest. Nicht, weil das Kind „nicht bekommt, was es will“, sondern weil sein inneres Bild von der Welt plötzlich nicht mehr stimmt. Etwas, das immer da war, ist auf einmal weg. Ohne Kontext. Ohne Sinn.
Beruhigen ließ sich die Situation nicht durch Ablenkung oder Ersatz. Auch nicht durch Durchhalten oder ein „Das ist jetzt halt so“. Beruhigt hat sie etwas anderes: eine Geschichte. Eine einfache, ehrliche Geschichte, die für ein 17 Monate altes Kind Sinn ergab. Der Busen braucht nachts eine Pause. Diese Pause hat ein Zeichen – ein kleines Nachtlicht. Wenn das Licht an ist, ruht der Busen. Wenn es aus ist, ist alles wieder wie gewohnt.
Diese Geschichte wurde ruhig erzählt, ohne Drama, ohne Druck. Erst als die Zeichen erklärt und der Zusammenhang verständlich gemacht wurde, konnte sich das Kind entspannen. Erst dann konnte es wieder einschlafen. Entscheidend war jedoch nicht nur die Erklärung, sondern das, was danach passierte. Nach dem Einschlafen wurde die Situation wieder aufgelöst. Das Nachtlicht wurde ausgeschaltet. Der Busen war wieder da. Die Geschichte hielt, was sie versprochen hatte. Genau dadurch entstand Vertrauen. Nicht, weil sie besonders schön oder kreativ war, sondern weil sie stimmig war, ehrlich – und auflösbar.
Was auf den ersten Blick wie eine private Alltagsszene wirkt, ist in Wahrheit eine präzise Parabel für Kommunikation, Führung und Markenarbeit. Denn auch Zielgruppen – ob Konsument:innen oder Entscheider:innen im B2B – reagieren nicht primär auf Argumente. Sie reagieren auf Orientierung. Unbewusst stellen Menschen immer dieselben Fragen: Verstehe ich, was hier passiert? Ergibt das Sinn für mich? Kann ich dieser Logik vertrauen? Bleibt sie konsistent, auch wenn sich etwas verändert?
Genau hier beginnt die Bedeutung einer Core Story. Sie ist kein Marketing-Add-on, kein Claim und keine Kampagne. Sie ist ein inneres Ordnungsmodell. Eine klare Erklärung dafür, warum ein Unternehmen tut, was es tut, wofür es steht und wie es handelt, wenn Routinen brechen oder Entscheidungen unbequem werden.
Dass Geschichten diese Wirkung entfalten, ist wissenschaftlich gut belegt. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass das menschliche Gehirn Informationen deutlich besser verarbeitet, wenn sie in narrativer Form vermittelt werden. Geschichten aktivieren nicht nur Sprachareale, sondern auch emotionale und sensorische Regionen. Wir hören sie nicht nur – wir erleben sie. Genau deshalb bleiben sie hängen. Genau deshalb erzeugen sie Bedeutung.
Auch Vertrauen folgt klaren Mustern. Psychologische Forschung zur kognitiven Kohärenz zeigt, dass Menschen Vertrauen dann entwickeln, wenn Erklärungen widerspruchsfrei, nachvollziehbar und über Zeit konsistent sind. Nicht Perfektion schafft Sicherheit, sondern Stimmigkeit. Genau wie beim Nachtlicht: Das Zeichen hatte Bedeutung – und diese Bedeutung wurde eingehalten.
Besonders relevant ist dabei der Aspekt der Authentizität. Studien aus der Marken- und B2B-Forschung zeigen deutlich, dass überinszenierte, glatte Markenstories kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen können, langfristig jedoch an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn Verhalten, Kultur und Realität nicht mithalten. Authentizität entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Übereinstimmung. Zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was getan wird.
Eine starke Core Story beantwortet daher nicht nur Kommunikationsfragen, sondern strategische. Sie gibt Orientierung nach innen wie nach außen. Sie klärt, warum es ein Unternehmen gibt, woran es glaubt, was es verspricht – und was bewusst nicht. Sie hilft bei Entscheidungen, besonders dann, wenn es schwierig wird. Sie ist kein Schmuckstück, sondern Fundament.
Im besten Fall ist sie das Nachtlicht des Unternehmens. Ein Zeichen, das erklärt, warum Dinge gerade anders sind. Das Sicherheit gibt, auch wenn nicht alles verfügbar ist. Und das Vertrauen schafft, weil es verlässlich wieder ausgeht.
Der zentrale Take-away für Unternehmen – besonders im B2B – ist dabei klar: Nicht die schillerndste Geschichte überzeugt. Nicht die kreativste. Nicht die lauteste. Sondern die glaubwürdigste. Eine gute Core Story passt zur Realität des Unternehmens. Sie ist für die Zielgruppe verständlich. Sie hält, was sie verspricht. Sie erklärt Veränderung, ohne Ausreden. Und sie wird im Handeln aufgelöst.
Gerade im B2B, wo Entscheidungen langfristig, risikobehaftet und stark vertrauensgetrieben sind, ist das entscheidend. Niemand investiert gerne in eine Geschichte, die später nicht mehr stimmt.
Unsere Haltung bei Werbeberg ist deshalb klar. Wir glauben nicht an große Worte ohne Bodenhaftung. Wir glauben an Klarheit vor Kreativität. An Haltung vor Hype. An Stories, die man leben kann – nicht nur erzählen. Denn Vertrauen entsteht dort, wo eine Geschichte Sinn ergibt und konsequent zu Ende erzählt wird. Im Kinderzimmer genauso wie im Boardroom.
Von der Geschichte zur Haltung.
Core Story Entwickeln
Werbeberg begleitet Unternehmen bei der Entwicklung von Core Stories, Markenpositionierungen und strategischer Kommunikation. Damit Worte und Handeln zusammenpassen – und Vertrauen langfristig entsteht.
Das Nachtlicht der Marke: Warum eine Core Story Orientierung gibt
WB Berater
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Tobias ist Geschäftsführer von Werbeberg und liebt es, aus guten Ideen starke Markenbotschaften zu formen. Als strategischer Berater und kreativer Denker sorgt er dafür, dass jede Kampagne ein klares Ziel hat – und Menschen erreicht. Gleichzeitig ist er der erste Ansprechpartner für neue Projekte und treibt die Weiterentwicklung von Werbeberg mit viel Leidenschaft und Zukunftsgeist voran.
Werbeberg
Tobias Kammerhofer
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